KLINSKÝ
MEDIEN

Ein Plädoyer für den schönen Buchstaben ß

Wenn sich Wörter zu Sätzen formieren, ist auch typografisches Wissen gefordert. Den Beruf des Schriftsetzers aus der analogen Zeit gibt es leider nicht mehr. Die Folge ist Oberflächlichkeit im Schriftengebrauch und in der Textgestaltung. Ganz zu schweigen von mangelhaften Orthografiekenntnissen und Unkenntnis der Schriftsatzregeln. Ein prägnantes Beispiel ist die verbreitete Unwissenheit über das Eszett, dem 19. Buchstaben in unserem Alphabet.

ß, ss, SS ? 

 

Weil es den entsprechenden Großbuchstaben nicht gibt (im Unicode gibt es ihn inzwischen), wird er als Doppel-S verwendet, wenn er in Versalien geschrieben wird. Aber auch nur dann! In klein geschriebenen Wörtern gibt es das Eszett sehr wohl. Die Rechtschreibreform hatte diesen Buchstaben nämlich nicht abgeschafft, was viele Menschen hierzulande glauben. Da im öffentlichen Raum Plakate, Displays, Schilder jeglicher Art usw. dem Betrachter besonders ins Auge fallen, weil Wörter dort häufig nur in Versalien geschrieben sind und demzufolge (in diesem Fall richtig) statt des Eszetts ein Doppel-s verwendet wird, scheinen viele zu denken, das Eszett gäbe es nicht mehr. Auch so manche Werbeagentur scheint das zu glauben. Doch vielleicht kommen ja deren smarte Layouter aus der Schweiz - dort ist das Eszett tatsächlich abgeschafft.

 

Meiner Beobachtung nach wird hierzulande am hartnäckigsten das Wort Straße falsch geschrieben, nämlich wie in der Schweiz mit Doppel-s.

Es gilt also: Bahnhofstraße - und eben nicht Bahnhofstrasse!
Nur wenn in Versalien geschrieben wird, ist BAHNHOFSTRASSE richtig. 



Neulich habe ich im Eingangsbereich einer Grundschule bei mir um die Ecke eine große Tafel mit unserem deutschen Alphabet entdeckt. Dort wurde der Buchstabe ß überklebt. Ich war fassungslos. Wohin führt das?

Natürlich gilt immer noch die Regel, dass nach einem langen Vokal das Eszett folgt und nach einem kurzen Vokal aus dem ehemaligen Eszett ein Doppel-s folgt. Als einprägsame Eselsbrücke habe ich mir diese Grußformel ausgedacht:

Gruß und Kuss, dein Kalle 

Im Wort Gruß ist der Vokal u ein lang gesprochener Vokal; im Wort Kuss hingegen wird das u kurz gesprochen! Nun alles kapitsche?